Finnische Sauna vs. Sauna in Finnland – Gleiches Schwitzen?

Bevor ich mit meiner Familie vor mehr als drei Jahren nach Rauma gezogen bin, hatte ich eine klare (deutsche) Vorstellung von Sauna. Ich kannte die Sauna an der Technischen Universität in Ilmenau (Thüringen), in die unsere Mama meinen Bruder und mich als wir acht und fünf Jahre waren, regelmäßig mitgenommen hat. Im Saunaraum war es oft sehr heiß, es gab ein tiefes und unglaublich kaltes Abkühl-Becken und einen Ruheraum mit Klappliegen. Wir Kinder wurden dort von anderen Besuchern oft angezischt: „Psst – hier ist Ruhe!“. In dieser Uni-Sauna gab es einen Hof mit hohen Mauern und einen Bank. Für uns Kinder war der Außenbereich damit total langweilig. Dennoch habe ich die Wärme in der Sauna gemocht, mich danach immer wohlgefühlt und besonders gut geschlafen.

Helikopter verteilt Birkenzauber

Später lernte ich bei unseren Besuchen in den Sauna-Thermen in Bad Klosterlausnitz, Erding oder Stein bei Nürnberg,… das Schild ‚Kein Schweiß aufs Holz‘ kennen. Das heißt, dass unter dem gesamten Körper ein Handtuch liegen muss. Zu vollen Stunden strömten Massen an Menschen in die Saunen. Der kurz darauf erscheinende Sauna-Meister war mir anfangs etwas suspekt. Vor allem deshalb, weil er die Aufgüsse mit…jetzt kommt der ‚Regenwald‘ oder der ‚Birkenzauber’… beschrieb und über dem Kopf ein Handtuch als ‚Helikopter‘ rotieren ließ. Ich kann mich noch gut an meine brennendste Frage im Kopf erinnern: „Kann ich während der Aufguss-Zeremonie rausgehen, weil es mir zu heiß wurde oder soll ich durchhalten?!“ Meist blieb ich sitzen, schon deshalb, weil ich mitbekommen habe, wie schnell im ‚Schwitzkasten‘ verärgert „Tür zu!“ gerufen wurde, wenn jemand raushuschte. Nicht falsch verstehen, ich mochte diese Art des Saunierens – die große Auswahl an verschiedenen Saunen, Temperaturen und Düften – Salzgrotte, Zitronensauna, Russische Sauna, Dampfbad, Sole-Stollen und viele mehr. Ich habe nichts vermisst, fand die Ausflüge trotz Überfüllung und Kampf um eine Liege schön. Dennoch war mir klar, dass diese regulierten und eher teuren Sauna-Angebote nicht besonders gut als Familien-Ausflüge oder alltägliche Entspannung geeignet sind.

Lisää löylyjä‚ erhöht die Luftfeuchtigkeit

Als wir nach Finnland kamen, lernte ich eine extrem unkomplizierte Form des Saunierens kennen. Sauna in Finnland bedeutet zumeist ‚Sauna-Baden‘, denn neben den privaten Saunen gibt es hier viele öffentliche Strand-Saunen (finn. rantasauna) an den Seen bzw. an der Ostsee. Während die ‚Finnische Sauna‘ in Deutschland und anderen Ländern meist sehr trocken und auf der oberen Bank oft etwa 100 °C heiß ist, schwitzen die Finnen auf den oberen Plätzen bei Temperaturen zwischen 65 und 80 Grad. Es gibt unglaublich viel Sauna-Dampf, denn Aufgüsse macht jeder und zwar ständig. Bei jeder Kelle Wasser auf die heißen Steine des Sauna-Ofens (finn. kiuas) entsteht ein jeweils einzigartiger Dampf und eine wunderbar wohlige Atmosphäre, die die Finnen mit dem Begriff löyly umschreiben.

Löyly hängt von unglaublich vielen Faktoren ab – nicht nur wer den Aufguss wie macht, sondern auch wie die Sauna gebaut ist, welche Art von Ofen (finn. kiuas) in ihr steht, welche Steine verwendet werden, wie die Sauna belüftet ist und wie warm die Sauna aufgeheizt ist. Siiri Koski von der Rajaportti Sauna in Tampere, Finnlands ältester öffentlichen Sauna, hat mir mal verraten, dass man löyly nicht „schmeiße“ sondern kreiere. Will man mehr Sauna-Dampf, fragt man höflich „Lisää löyly„?! und im Anschluss tauschen sich die Sauna-Gäste oft über dessen Qualität aus. Hier hört man immer wieder „Hyvät löylyt“, was einen guten Sauna-Dampf bescheinigt. Sobald in einer finnischen Sauna die Tür aufgeht, fliegt eine Kelle Wasser auf die heißen Steine des Sauna-Ofens. Willkommen beim Schwitzen ist Jedermann – jung und alt, von nah und fern.

Im Nachbarland Schweden heißt die Sauna ‚bastu‚. Das setzt sich aus Bad und Stuga (dt. Hütte) = Badstuga, kurz ‚bastu‚ zusammen. In Norwegen wird in der ‚badstue‚ geschwitzt. Die Dänen haben von den Finnen das Wort ‚Sauna‘ übernommen.

Mit Sauna-Baden verbinden die Nordeuropäer im Wesentlichen:

  • Hohe Luftfeuchtigkeit, die durch die ständigen Aufgüsse in der Sauna immer herrscht
  • Eimer, Schüsseln, Schöpfkellen für die ständigen Aufgüsse und nebenbei können und dürfen die Kinder damit spielen und Natur-Saunen in herrliche Matsch-Quatsch-Plätze verwandeln
  • Duschen der einfachen Art – Vor allem in den Strand-Saunen fehlen normale Duschen. Stattdessen wird in einem großen Kessel neben dem Sauna-Ofen Wasser mit erwärmt und anschließend mit kaltem Wasser gemischt. Geduscht wird so direkt in der Sauna oder im Vorraum – mit Schöpfkellen und ner Menge Wasserspritzern – vor allem auch zur Freude der Kleinsten
  • Erfrischung – Das Sauna-Baden setzt sich im Anschluss ans Schwitzen mit einem beherzten Sprung in den erfrischenden See oder die Ostsee fort
  • Körperpflege – Noch heute wird die Sauna nicht nur zur Entspannung sondern auch zur Reinigung genutzt

Die unkomplizierte Art des Sauna-Badens in Finnland ermöglicht den spontanen Besuch der öffentlichen Strand-Saunen (kostenfrei oder für ca. 2 EUR, die in eine selten abgeschlossene Kasse des Vertrauens gelegt werden können) – zusammen mit Groß und Klein – zu jeder Jahreszeit.

Maria aus Eurajoki im Südwesten von Finnland schwärmt:

„Die Sauna in Finnland bietet Entspannung, eine wundervolle Zeit mit der Familie, viel Natur und eine wunderbare Abkühlung im See.“

Mehr erfahren:

https://www.sauna.fi/in-english/recommended-sauna-procedure/

Fragen, Anregungen, Links und Kommentare sind jederzeit herzlich willkommen… 

„Yhdessä on mukavaa“ – Zusammen ist es am schönsten! „Tervetuloa saunaonneen“ – Willkommen im Saunaglück! 😅🍀

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