Sauna und sechs weitere Vorfreuden aufs Mökki

Hand aufs Herz. Mit diesem Beitrag wollte ich im Frühjahr 2020 online gehen und Finnland-Fans und Neugierige auf einen Mökki-Urlaub in Suomi einstimmen. Kam alles bekanntlich anders und die lange Unsicherheit bei den Einreisebestimmungen erschwerten die Entscheidung zu buchen. Jetzt gibt es laut des Auswärtigen Amtes seit 13. Juli 2020 keine Reisewarnung mehr und dennoch gibt es bestimmt einige, die ihren Finnland-Urlaub verschoben haben. Wie wäre es trotzdem mit sieben Vorfreuden auf das finnische Mökki-Leben – vielleicht dann fürs nächste Jahr? Hier erfahrt ihr, was denUrlaub in einem der meist abgelegenen Häusern ausmacht, warum die Sauna unbedingt dazu gehört und worauf man sich sonst noch freuen kann. Ein paar Büchertipps zum Einstimmen auf Finnland ergänze ich ebenso wie die wichtigsten Buchungs-Portale für Mökkis.

Mökki – Stuga – Datsche: Zum Rückziehen

Mökki steht im Finnischen für ‚Hütte‘. In Schweden kennt man die ‚Stuga‘, in manchen Gegenden in Deutschland ist es… die ‚Datsche‘, also das Sommer- oder Wochenendhaus. Manche der Häuser sind so gut ausgerüstet, dass man in Ihnen ganzjährig urlauben kann.

Das Mökki ist hier in Finnland für viele Familien der Rückzugsort, der Ort von Kindheitserinnerungen und wird immer öfter auch vermietet. Laut des finnischen Nachrichtenportals yli.fi gab es 2018 in Finnland mehr als eine halbe Million Sommerhäuser mit etwa 2,4 Millionen aktiven Nutzern. Während des Jahres betrage die Anzahl der Hüttentage pro Hüttenbesitzer stattliche 79 (https://yle.fi/uutiset/3-10269094). Wen wundert es – in Finnland haben die Kinder zehn Wochen Sommerferien.

Hier sind einige Anbieter, auf denen wir bisher unsere Mökkis gefunden haben:

https://www.gofinland.fi/en (Englisch)

https://www.lomarengas.fi/en (Englisch) 

https://www.airbnb.de (Deutsch) 

http://www.nettimokki.com (Finnisch)

Weitere kleinere lokale Anbieter, auf dem man auch fündig werden kann: https://www.homeaway.fi (Finnisch)

https://www.mökit.fi (Finnisch)

https://www.nettivuokraus.com/vuokrataan/loma-asunnot-ja-vuokramokit/ (Finnisch)

Ist man bereits in Finnland, lohnt sich sogar der Blick in die Tageszeitung. In Sachen mobile Kommunikation, Frauenquote und Gleichberechtigung Weltspitze, läuft hier dennoch einiges wunderbar ‚old school‘.

1. Alles ist da – praktisch und gemütlich

Mietet man in Finnland ein Mökki, braucht man sich keine Sorgen darüber machen, was man mitnehmen soll. In der Regel sind alle Häuser wie ein eigenes Wochenendhaus  eingerichtet,. Ausgerüstet mit allen praktischen Dingen wie Holz, Axt, Spielzeug, Dreirad, Schlitten und Feuerstelle mit Spießen für die berühmten Makkara (dt. Würstchen) oder Saunahüten bis hin zu allen Dingen, die es richtig gemütlich machen, wie ein Sofa mit Kuscheldecken und oft sogar ein Hot Tub. Die Mökki-Spiel-Klassiker wie Dartscheibe, Mölkky und Frisbeegolf haben wir in fast jedem Mökki vorgefunden.

Oft erholen sich die Besitzer hier selbst am Wochenende oder machen Urlaub. Somit fühlt man sich schnell als Gast der Familie und findet so manche Kuriosität aus einer längst vergangenen Zeit. Sortiert ist alles – am besten jeweils in einem extra Häuschen. Wir waren einmal in einem Mökki in der Nähe von Lahti mit sieben Holzhütten: Haupthaus, Extra-Bettenhaus, Saunahaus am See, Haus für Feuerholz, Schuppen für Geräte, Bootshaus und das obligatorische extra Plumpsklo. Die Regel ist aber eher das punainen mökki – das rote Holzhaus mit weißen Fensterläden und einem extra Saunahaus.

2. Einsamkeit ist Luxus – Achtsamkeit ein Muss

Wer die Mökkis danach bewertet, welche am besten von den Flughäfen z.B. in Helsinki, Turku, Tampere, Ivalo, Rovaniemi, Vaasa, Kittilä, Joensuu oder Lappeenranta zu erreichen sind, vergisst, dass das hohe Gut im Norden die Einsamkeit (finn. yksinäisyys) ist. Finnische Freunde berichten, das beste Mökki sei jenes, das weit im Wald verborgen steht, allein am See außerhalb der Sicht- und Hörweite zu den Nachbarn oder am allerbesten: auf einer kleinen Insel, nur mit dem Boot erreichbar.

Das ‚Jedermannsrecht‘ (finn. jokamiehenoikeudet) erlaubt es allen, sich frei in der Natur zu bewegen. Man darf Beeren und Pilze sammeln. Angeln ist mit einer einfachen Angelrute meist erlaubt. Für Angeln mit einer Kurbel besorgt sich der Urlauber eine kalastuslupa (dt. Angelschein) an einem der finnischen kioski. Respekt ist den Finnen aber sehr wichtig. Sie finden es überaus anmaßend, wenn jemand ihren Grund und Boden (selten eingezäunt) betritt, das Mökki vielleicht noch fotografiert und noch schlimmer: etwas mitnimmt. (Fast) alles gehört allen – nur beim heiligen Mökki-Grundstück hört die Geduld verständlicherweise auf.

Deshalb wird derzeit in Finnland leider auch darüber diskutiert, ob das jokamiehenoikeudet (dt. Jedermannsrecht) für Ausländer, die sich nicht an die wenigen Regeln halten, weiter gelten sollte. Also – besser achtsam und mit Feingefühl die Gegend erkunden. Hier ein kleiner Test, wie gut man sich mit dem Jedermannsrecht auskennt (auf Englisch) http://www.jokamiehenoikeudet.fi/en/

3. Die Sauna – Es gibt keins ohne

Sauna ist eines der ersten Worte, das einem Ausländer im schwierigen finnischen Wortschatz wärmend entgegen dampft. Sauna kennt fast jeder, mit der finnischen kennen sich aber die wenigsten aus. Vor unserer Finnlandzeit fiel mir in diesem Zusammenhang nur das ‚100 Grad-Schild‘ in den deutschen Sauna-Spas ein. Dieses sucht man hier vergebens.

In jedem Mökki gibt es mindestens eine, meistens sogar zwei Saunen: eine mit Elektro-Ofen im Haupthaus und oft eine zweite holzbefeuerte am Wasser. Das Beste: Hier gibt es keine Sauna-Regeln wie ‚Aufguss zur vollen Stunde‘, ‚kein Schweiß aufs Holz‘ oder ’nach drei Saunagängen ist Schluss‘. Geht die Tür auf, gibt es einfach lisää löylyjä (dt. mehr Dampf) für die wohlig warme Atmosphäre, die sich mit jeder Kelle Wasser auf den heißen Steinen entfaltet. Sauna machen die Finnen zu fast jeder Tageszeit, vor und nach dem Schwimmen in der Schwimmhalle, oft mehrmals die Woche, und im Mökki-Urlaub sowieso. Uns wurde von unseren Nachbarn berichtet, das man früher in der Sauna gezeugt, zur Welt gekommen und später aufbewahrt wurde, bevor es zur letzten Ruhe auf den Friedhof ging.

Für Kinder ist die Sauna ein wundervoller Plansch-Platz mit Schüsseln und Schöpfkellen. Für Erwachsene der Wohlfühlort nach einer Wanderung im Winter, Pilze- und Blaubeersuchen im Herbst, einer Bootstour im Frühjahr oder selbst im Hochsommer, der auch in Süd-Finnland selten Temperaturen über 25 Grad verspricht, nach einem Bad im erfrischenden See. Danach ein Muss: Ab in die Sauna und lisää löylyjä– es kann gar nicht genug geben. Und so geht es für uns im Mökki-Urlaub oft den ganzen Tag lang. Im Sommer, wenn die Birken im saftigen Grün stehen, binden wir deren Zweige zum traditionellen vihta oder vasta (dt. Birkenquast) zusammen und beleben beim Abklopfen die Haut und die Nase. So riecht Sommer in Finnland.

4. Kein Glück mit dem Wetter, aber richtige Kleidung dabei

Als wir das erste Mal mit unserer Familie aus Deutschland ein Mökki-Abenteuer geplant haben, war die Frage ‚wann ist das Wetter denn in Finnland am besten?‘ überflüssig. Es kann zu Juhannus(dt. Mittsommer) schneien. Wir hatten hier schon einen miesen Sommer mit nur vier Tagen über 20 Grad oder es kann einer aus dem Bilderbuch sein – endlos blauer Himmel, orange-pinkes Glühen am Abendhimmel und eine herrliche Natur in Saft und Kraft. Somit empfiehlt sich der Blick auf die finnische Bekleidungstabelle aus dem Kindergarten. Das Aufrufen der Wetter-App kann man sich sparen. Wie oft sind wir hier von einem Wetterwechsel überrascht worden.

Was soll ich anziehen? Aufgenommen im Touhula Päiväkoti Rauma

5. Überall Empfang, den man nicht braucht

Im Heimatland von Nokia wurde der Netzausbau zentralisiert und so akribisch betrieben, dass man selten (nie) an einen Ort kommt, wo man keinen Handy-Empfang hat. Die Finnen lieben das Smartphone, Facebook und andere soziale Medien. Die Kinder bekommen früh Handys und nicht alle benötigen es auf einem langen Weg zur entfernten Schule. Das Mobiltelefon ist allgegenwärtig. Dennoch höre ich vermehrt von finnischen und deutschen Freunden gleichermaßen, wie gut es tue, ein Offline-Wochenende oder noch besser einen Offline-Urlaub einzulegen. Auf die Frage, warum man im Mökki sein Handy anhaben sollte, kommt allenfalls ein ‚zum Fotos machen‘ – von der traumhaft schönen Natur.

6. Natur, die summt und brummt

Unser deutscher Besuch hat uns im Mökki-Urlaub bei Tampere einmal darauf aufmerksam gemacht, wie hier (noch) alles summt und brummt. Finnland ist das waldreichste Land Europas: Laut Wikipedia sind ungefähr 85 % der Landfläche bewaldet. Auch wenn Flora und Fauna mit 42.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen, darunter 65 Säugetierarten, kleiner als in südlichen Teilen Europas sei, so ist sie vor allem in Mittel- und Nord-Finnland weitläufig und unberührt. Das viel beschworene ‚Land der 1000 Seen‘ hat sogar fast 190.000 Seen. Es gibt so viel zu entdecken und zu genießen. Meine finnische Freundin Miia sagt: Ins Mökki zu gehen, bedeute für sie ‚Achtsamkeit‘. Der finnische Wald (finn. metsä) ist für viele Menschen ein magischer Ort. Kein Wunder, dass in Finnland regelmäßig Waldkongresse, u.a. zu den Themen Waldbaden und Waldtherapie mit Besuchern aus aller Welt stattfinden. Und apropos summen und brummen – die Mücken (finn. hyttyset) gehören hier irgendwie auch zum Mökki-Urlaub dazu, sagt Veera gelassen.

7. Ein Ort der Familie und der Erinnerungen

Es ist ein heiliger Ort – das Familien-Mökki. Oft weitervererbt über Generationen stecken in den finnischen Sommerhäuschen viele Erinnerungen. Die guten und weniger guten. Am liebsten erzählt sind die Erinnerungen an endlos helle Sommernächte, die sog. Juhannus-Tafel im Garten (wenn es zu Mittsommer mal sonnig ist, nicht regnet oder gar schneit), das obligatorische Hissen der finnischen Flagge bei Ankunft und das Einholen, wenn der Mökki-Urlaub nach oft vier Wochen und länger (die Schulferien dauern hier ja bekanntlich sehr lange) zu Ende ist. 

Auch für uns Ausländer in Finnland ist der Mökki-Urlaub bereits eine schöne Tradition geworden. Familie und Freunde kommen aus nah und fern zusammen. Gemütliches Beisammensein, Blaubeeren pflücken, noch schönere Steinpilze als beim letzten Mal sammeln, anschließend in die Sauna gehen, im See schwimmen, zurück in die Sauna zum Schwitzen, Angeln, Grillen, mit dem Boot unter dem pinken Abendhimmel rudern. Und am nächsten Tag? Noch einmal von vorn. Die Entschleunigung des Nordens. Da braucht’s nicht mal ein Modewort wie ‚Hygge‘. Ausflugsprospekte nehmen wir jedenfalls nicht mehr mit. Warum auch? Das Mökki ist unsere Welt – zumindest für eine schöne entspannte (Lange)Weile.

Bücher-Tipps zum weiteren Einstimmen auf Finnland:

  • Tarja Prüss: 111 Gründe, Finnland zu lieben Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt
  • Manfred Pienemann: Die gefährlichste Marmelade der Welt – Berichte aus der finnischen Wildnis und sechs Lektionen über die Finnen
  • Joel Williams: 101 Very Finnish Problems
  • Roman Schatz: Gebrauchsanweisung für Finnland

Aktuelle Infos zur Einreise nach Finnland:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/finnland-node/finnlandsicherheit/211624

Fragen, Anregungen, Links und Kommentare sind jederzeit herzlich willkommen… 

„Yhdessä on mukavaa“ – Zusammen ist es am schönsten! „Tervetuloa saunaonneen“ – Willkommen im Saunaglück! 😅🍀

2 Kommentare zu „Sauna und sechs weitere Vorfreuden aufs Mökki

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  1. Es ist mur für die Mökkibesitzer leider so, insbesondere wenn die noch nicht im Rentnalter sind, dass die Instandhaltung des Mökkis viel Zeit, Kraft und auch Geld in Anspruch nimmt. Wenn die Benutzer mal nichts tun sondern nur geniessen ist das meist MIttsommer, Venetsialaiset (letztes Wochenende im August) oder wenn Besuch kommt.

    Der Finne sieht die Instandhaltung meist aber nicht als Arbeit sondern eher als Freizeitbeschäftigung an.

    Dennoch ist es herrlich am Spätnachmittag oder Abend in die Sauna und schwimmen zu gehen, danach bei ein paar Bier zu grillen und die meist schönen Abendstunden zu geniessen.

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    1. Lieber Uwe, stimme Dir voll zu, dass in so einem Mökki-Paradies sehr viel Kraft und Liebe stecken. Wie schön, wenn es einem trotz der Arbeit viel Freude macht. Wir haben den gleichen Eindruck gewonnen. Praktisch wie die Finnen sind, machen sie nicht nur fast alles selbst, sondern stärken dabei ihren Sisu und genießen am Ende des Tages wohlverdient die Sauna.

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